Sonntag, 1. März 2009

Hartz-IV-Wochen 2009


Es ist wieder soweit, mit dem 1. März geht es wieder ran ans „Existenzminimum“. Hartz-IV-Wochen im Selbstversuch. Es gab eine Erhöhung des Regelsatzes, eigentlich müsste der Blog jetzt 11 Euro 70 heißen. +++ Und passend zur neuen Saison gibt es auch wieder einen Politiker, der es gewagt hat, an den Zahlen zu rütteln. Es ist Philipp Mißfelder von der Jungen Union, das ist die Jugendorganisation der CDU. Ich habe keine Ahnung, wie lange man da Mitglied sein darf. (War Egon Krentz nicht noch mit Ende 50 FDJ-Vorsitzender?) Aber egal, ohne ihn verteidigen zu wollen: Er hat was gegen die Erhöhung von Hartz IV gesagt (die Erhöhungen sind an die Rentenerhöhungen gekoppelt, mal grob gesagt). Aber bislang habe ich noch kaum sachliche Erwiderungen auf Mißfelder gefunden, sondern immer nur Ad Hominems. (Es fällt auch schwer, ich sehe ihn, und ich habe das Bild von Alfred E. Neumann aus dem MAD-Magazin vor Augen. Okay, das ist eine ganz persönliche Assoziation, nicht von Bedeutung, das lässt nur auf meine triviale, ordinäre Sozialisation schließen.) - Also der Satz, den Alfred E. Mißfelder sagte, war, wenn man der Rheinischen Post Glauben schenken darf, daß eine Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes ein „Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie“ sei.

Sonntag, 9. November 2008

Mit dem Auto zur „Tafel“

Mit Bedauern habe ich den Paradigmenwechsel in der Peter-Zwegat-Show „Raus aus den Schulden“ zur Kenntnis genommen. Weg von den Sozialschmarotzern, hin zu den angeblich bedürftigen Menschen. Aber in dieser Woche gab es wieder einen sehenswerten Härtefall, der einem komplett die Lust am Steuernzahlen nimmt: Drei Zweifamilienhausbesitzer, Vater, Mutter, Tochter mit 1400-Euro-Haushaltsnettoeinkommen, zwei Kleinwagen, einem Motorroller, zwei Kindern und einem Haushaltssklaven. Der beste Satz, ein Schlag ins Gesicht gegen jegliche Form eines Sozialstaats, kam aus dem dem Mund der übergewichtigen, ca. 22-jährigen Tochter Sonja L.: »Ich brauch das Auto, um damit zur „Tafel“ (Armenspeisung) zu fahren.«

Dieser Höhepunkt des deutschen Privatfernsehens wurde leider nicht eingefangen im folgenden Youtube-Clip. Er versöhnt aber mit den Worten eines sichtlich angepissten Rocker-Präsis, der den Schulden-Pennern mit seinen Kumpels die Bude renovierte, ohne Dankeschön, ohne dass man einen Kasten Bier hinstellt, ohne dass da einer ein paar Schnitten geschmiert hat. „In so einer Position würde ich auch gerne mal sein.“ Enjoy!



Oder wie sagte es Immanuel Kant? „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Und das heißt Lesenlernen! Und sich nicht die Märchen vorlesen zu lassen, während andere Menschen arbeiten, wie bei Peter Zwegat zu sehen war. - Und die Bibel? 2. Thessalonicherbrief 3. Kapitel, Vers 10 Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. In diesem Sinne äußerte sich noch der Sozialist August Bebel anno 1897 in “Die Frau und der Sozialismus“ (Darauf bezieht sich in unserer postmodernen Zeit der Kleingartenvereinskassenwartdarsteller Müntefering): „Der Sozialismus stimmt mit der Bibel darin überein, wenn diese sagt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Darauf ein Glas Champagner - von Aldi. Weiter so, Kapitalismus! (Und der hätte ja nach Bebel schon 1907 kaputt sein müssen.)

Dienstag, 23. September 2008

„Extrem gespart ... “

Ach, früher hieß es noch Lumpenproletariat, heutzutage gehört schon zur Unterschicht, wer sich nur eine BOSS-Jeans aus der Vorjahreskollektion leisten kann. Armes Deutschland. In der aktuellen 132-Euro-Debatte (die eine 18-Milliarden-Euro-Debatte ist) gibt es immer wieder kompetente Stimmen, die wissen, was das Existenzminimum ist.

Bettina „Twister“ Winsemann, Telepolis.de-Schreiber*, analysiert die 132-Euro-Studie der TU Chemnitz und bringt sie auf den Punkt. »Auch beim Hygienebedarf wird extrem gespart. Laut Studie benötigt man lediglich alle zwei Monate eine Zahnbürste und einen Friseurbesuch, vier Einwegrasierer reichen einen Monat lang aus, ebenfalls wird nur einmal pro Woche gewaschen, was bei dem Bedarf, der an Kleidung ermittelt wurde, kaum machbar ist. ... Fakt ist, dass die Politik "Hartz IV" geschaffen hat, warum aber Wissenschaftler dann mit solchen weltfremden Zahlen agieren, ist die nächste Frage.« (Telepolis, 9.9.08)

Fakt ist - liebe Zonis - ein Waschmittel aus dem Westen, und sonst gar nichts. Einwegrasierer sind keine Einmalrasierer, alle Männer, die ich kenne, benutzen Einwegrasierer schichtenübergreifend ca. eine Woche lang, man könnte fast sagen, das gehört zur männlichen Identität mit dazu. Weltfremd erscheint mir nur der vermutlich weibliche Telepolis-Beiträger.

Donnerstag, 11. September 2008

Mit 132 Euro in Chemnitz


Freiheit der Forschung? Von wegen. Das haben die Chemnitzer Wirtschaftwissenschaftler Prof. Thießen und Dipl.-Kfm Fischer sicherlich schnell gemerkt, als sie ganz elementare wissenschaftliche Fragen aufgestellt haben. Was ist eigentlich ein Existenzminimum? Warum soll der Staat für Schnaps und Zigaretten aufkommen? Muss man Mineralwasser trinken, wenn es auch hervorragendes Trinkwasser direkt aus dem Hahn gibt?

Der Höhepunkt der Desinformationsberichterstattung nach Spiegel-Online, AP-Bericht und anschließenden Großbuchstaben der Bild-„Zeitung“ war der gestrige von Fehlern nur so wimmelnder Stern-TV-Beitrag auf RTL.

Ein “Student“ soll mit den 4,40 Euro (schon 1 Prozent gespart) auskommen. Er bekommt irgendetwas vorgesetzt, ein paar Scheiben Graubrot, ein halbes (wie gemein!) Fischstäbchen. Ein auf den Tisch geworfenes Hähnchen wird mit einem überzogenen Preis angegeben. Das, was der "Student" einkauft, wird ihm hinterher nicht vorgesetzt. Abschließend trinkt er noch "nach Drehschluss" ein Glas Apfelsaft. "Experiment" gescheitert.

Ein Fliege tragender Kasper ohne jegliche wissenschaftliche Qualifikation vom paritätischen Wohlfahrtsverband pöbelt nur rum und besitzt auch noch die Frechheit, den Autoren der Studie Inkompetenz vorzuwerfen. (Später als "Studioexperte" im Studio beantwortet der übergewichtige Armutsexperte die Fragen Jauchs nicht oder weicht in Allgemeinplätze aus.)

Eine subjektive Kamera fährt im Blair-Witch-Stil durch die Gänge der TU Chemnitz (die auch irgendwie erbärmlicher aussieht als so manche Hartz-IV-Bude auf Mallorca) und findet eine verschlossene Tür vor, auf der steht, dass man nur noch per E-Mail mit der Außenwelt kommuniziere. Ach nein, hat man da gar nicht nach einem Interviewtermin angefragt? Sehr schön war dann auch ein zusammenhangloses Schriftstück, in dem eine einzige Zeile angemarkert war.

Es wurde nicht einmal auf die Studie eingegangen. Mein persönlicher Höhepunkt war, als den „Herren Professoren“ ihr Professorentum vorgeworfen wurde, und sie somit - das wurde impliziert, aber nicht ausgesprochen - als die Besserverdiener keine Ahnung vom sozialen unteren Rand hätten. - Dem möchte ich nunmal widersprechen: Es gibt sehr wohl Akademiker, die während ihres Studiums mit wesentlich weniger als dem sogenannten Existenzminimum ausgekommen sind. Der Autor dieser Zeilen gehört dazu und es gibt nicht wenige Leute, die diesem zynischen Anspruchsdenken der deutschen Alkoholikerklasse mit extremen Befremden gegenüberstehen.

Aber schön: die Chemnitzer sind auf 4,44 Euro pro Tag gekommen, das deckt sich mit den hier empirisch gewonnenen 4,25 Euro, in denen auch noch Alkohol enthalten ist.

Aber man kann ja auch mal nicht mit Pfennigbeträgen rechnen. Dennken wir doch mal im großen Maßstab: 7.5 Millionen Fanta4-Empfänger bekommen pro Monat, von denen ein Jahr 12 Stück hat 200 Euro zuviel. Wir stellen die Berechnung an, zu der ein durchschnittlicher 16-Jähriger dank umfangreicher Pädagogikreformen nicht mehr fähig ist:

7500000 x 12 x 200 € = 18000000000 Euro = 18 Milliarden Euro

Das, lieber Prof. Thießen, lieber Herr Fischer, ist ein Betrag, für den es jede Menge Gesinnungsjournalisten gibt.

Montag, 3. März 2008

Immer nur Nudeln mit Hacksauce?

Natürlich nicht. Aber es sollte schon klar sein, dass man sich Bio-Lamm abschminken sollte. Da bezahlt ja man noch den Supervisor für den Therapeuten des Schlachters mit. Überhaupt sollte man sich von der Bangemacherei der Gesundheitsapostel nicht beeindrucken. Bis auf bei ganz harten Alkoholikern, die sich zu 95 Prozent von CH3-CHOH ernähren, treten in Deutschland so gut wie keine Vitaminmangelkrankheiten auf. Ihr inneres Hunger- und Appetitgefühl ist meist der bessere Ernährungsberater, als die ganze Bagage von Ernährungscoaches. An dieser Stelle deshalb ein Lob auf die Kartoffelchips. Mehr Ernährung für so wenig Geld gibts wohl kaum.

Thilos Bestes

Deutsche Leitkultur at its best. Würstchen mit Kartoffelpüree und Sauerkraut. An einem englischen Rasthof durfte ich schon mal 20 Euro für einen kleineren Teller bezahlen, zuhause in Teutonistan ist mit ca. 2 Euro schon das Bier dabei.

Hanuto

Hack, Nudeln, Tomatensauce. Noch Fragen?

Klöße in Tomatensauce

Aus den übriggebliebenen Aldi-Bratwürstchen wird das Fleischbrät herausgelöst und zun Klößen geformt. Die Tomatensauce wird auf spanische Art mit Mandelmehl, das aus den Vorräten der Aldi-Weihnachtsbäckerei stammt, angedickt. Sehr lecker. Dazu Brot und einen fruchtigen Weißen.

Ratatouille

Wenn Auberginen im Angebot sind, zugreifen und ein Ratatouille draus zubereiten. Einfach schnell. Günstig.

Pfannkuchen mit Champignons und Pfifferlingen

Es muss nicht immer nur Marmelade sein. Pfannkuchen ist eine einfache Sache aus dem Grundvorrat. Das teuerste waren die Pfifferlinge aus dem Glas für einen Euro.

Suppenkasper

Die u. a. Minestrone reichte für zwei Personen drei Tage. Hier die Zutaten: 3 Möhren, 1/4 Sellerieknolle, 125 g Nudeln, 1 Stange Porree, 2 Zwiebeln, 1 Knoblauchzehe, 1 Zucchini, 1 Dose Tomaten, 1 Glas Brühe, Parmesan und Olivenöl kostet zusammen 3,60 Euro., dh. pro Portion 0,60 Euro.

Ausgaben heute: 1,20 Euro für ein frisches Baguette.

In den vorangegangen Wochen wurde zurückgekocht, ich ging also mit einem guten Zwanni aus dem Herz4-Monat.

Sonntag, 2. März 2008

Neue Runde

So viel ist im Selbstversuch klar geworden: Mit 4,25 Euro pro Tag kann man sich hervorragend ernähren. Da hat Thilo Sarrazin einfach recht. Klar ist auch, der Bohei, der um seine drei Beispielmenüs veranstaltet wurde, war inszeniert von der kommunistischen Partei mit dem ständig wechselnden Namen, mit dem Ziel, noch mehr von auch meinem Geld für ihre grenzdebile, autoritätshörige Wählerschaft loszueisen. „Zynisch“ war nicht Herr Sarrazin, zynisch ist die gezielte Gleichsetzung von Armut mit relativer Armut.

Vorher

Eine handvoll Gemüse, Dosentomaten, Fertigbrühe, ein Schneidbrett und ein Kochmesser.

Nachher

Eine leckere Minestrone im Jamie-Oliver-Style

Bisherige Erfahrungen
1. Man sollte gänzlich auf Kneipen- und Restaurantbesuche verzichten und stattdessen Geselligkeiten im Privaten organisieren! Außerdem: Stullen schmieren, Thermoskannen und Wasserflaschen verwenden

2. Man muss wirklich jedesmal auf die Preise achten! Hatte ich bislang ein ungefähres vages Gefühl für den Gesamtpreis der Waren im Korb, so rechne ich jetzt noch mal nach, und achte auf Cent-Beträge, die sich dann doch zusammenläppern.

3. Vorsicht vor Gelegenheitskäufen! Hier mal schnell ein Lattesonstwas, da mal ein Buch gekauft, schon ist das schöne Geld futsch.

4. Mit der Umschlagtechnik habe ich richtig Geld gespart! Das Monatsbudget wird aufgeteilt und in vier richtige physikalische Briefumschläge (einen für jede Woche) gesteckt. Die Geldautomatenkarte bleibt zuhause. Das verhindert unüberlegte Spontankäufe!

5. Man sollte seine Vorräte im Auge behalten, damit man nichts wegschmeißen muss. Einmal pro Woche größer einkaufen, zwischendurch auf Angebote achten. Ein moderner Kühlschrank mit anständigem Tiefkühlfach ist super, ein extra TK-Schrank einfach großartig.